Artist: Martin Kälberer
Album: into the light
Label: Jazzhaus Records
VÖ: 21.11.2025
Martin Kälberer – Mut zum ersten Take
Ein Album ohne doppelten Boden: Martin Kälberer setzt auf Direct Cut und verwandelt Neoklassik in einen Moment absoluter Wahrheit.
Mit into the light wagt Martin Kälberer etwas, das in Zeiten digitaler Sicherheitsnetze fast waghalsig wirkt: keine Schnitte, keine nachträglichen Korrekturen, kein „Das machen wir später noch mal“. Die Direct-Cut-Methode zwingt zur radikalen Präsenz. Was gespielt wird, bleibt. Punkt. Und genau darin liegt die Kraft dieses Albums.
Der Impuls kam nach einer künstlerischen Begegnung mit Gene Aichner – ein kreativer Funke, der Kälberer dazu brachte, das Risiko nicht nur zu akzeptieren, sondern zum Konzept zu machen. Gemeinsam mit Thorsten Scheffner im Organic Music Studio entstand am 29. März 2025, ausgerechnet am Internationalen Pianotag, eine Live-Performance, die direkt in Vinyl geschnitten wurde. Das ist kein nostalgischer Gag, sondern ein klares Statement: Musik als unwiederholbarer Augenblick.
Stilistisch bewegt sich das Album zwischen Neoklassik und Ambient, aber ohne sich in ätherischen Flächen zu verlieren. Die Stücke atmen. Der Titelsong öffnet Räume, ohne pathetisch zu werden, während „Elektra“ – inspiriert vom Münchner Elektra Tonquartier im BERGSON Kunstkraftwerk – architektonische Weite mit innerer Spannung verbindet. Die zusätzlichen Kompositionen für die digitale Version erweitern das Spektrum, ohne den Kern zu verwässern. Hier geht es nicht um Effekte, sondern um Essenz.
Du hörst förmlich die Konzentration im Raum. Jede Nuance am Klavier trägt Gewicht, jeder Anschlag ist Entscheidung. Gerade in den leisen Passagen entfaltet sich eine Intensität, die aus der Stille heraus wächst. Und wenn sich die Dynamik öffnet, dann nicht als kalkuliertes Crescendo, sondern als organische Entwicklung. Das ist kein Ambient zum Nebenbei-Hören, sondern Musik, die Deine Aufmerksamkeit fordert – und belohnt.
Bemerkenswert ist, wie zeitlos das Ganze wirkt. Trotz analogem Verfahren klingt into the light nicht retro, sondern erstaunlich gegenwärtig. Die Reduktion auf das Wesentliche macht das Album zu einer Art akustischem Manifest gegen Überproduktion. Kälberer vertraut auf sein Instrument, auf den Raum, auf den Moment. Und dieses Vertrauen überträgt sich.
Auch live dürfte das Konzept seine volle Wirkung entfalten. Die angekündigten Konzerte versprechen intime Settings, in denen genau diese Spannung zwischen Stille und Explosion erlebbar wird. Wer verstehen will, warum dieses Album so unmittelbar wirkt, sollte sich einen dieser Termine vormerken:
31.01. GER – Landsberg, Stadttheater
07.02. GER – Roth, Kulturfabrik
27.02. GER – Dehnberg/Lauf, Dehnberger Hoftheater
28.02. GER – Landshut, Salzstadel
01.03. GER – Fürstenzell, Festsaal im Kloster
06.03. GER – Dorfen, Jakob Mayer Kultursaal
18.09. GER – Cadolzburg, Burg
27.09. GER – Bad Heilbrunn, Kursaal
02.10. GER – Peissenberg, Tiefstollenhalle
weitere Daten tba!
Unterm Strich ist into the light mehr als ein Albumtitel. Es ist Programm. Kälberer geht ins Risiko – und gewinnt. Für Mut, Konsequenz und musikalische Tiefe gibt es verdient 9 von 10 Punkten.
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